15.März 2009
Soeben sind wir zurückgekommen aus Livingston. Donnerstag war Feiertag (Youthday) und so haben wir uns Freitag frei genommen. Mittwoch Nacht noch gearbeitet bis um 23 Uhr und am Donnerstag morgen den ersten Bus um halb 7 nach Südwesten genommen. Die ersten ¾ der Strecke sind gut zu fahren und die Strasse in gutem Zustand. Dann ist sie aber von Schlaglöchern übersät und zum Teil sogar auf eine Erdpiste umgeleitet. Nach 6 Stunden fahrt waren wir in Livingston. Dort ist es ähnlich wie in Siavonga deutlich wärmer als in Lusaka. Abends hatten wir noch 27 Grad. Wir haben uns im Jollyboys Backpacker eingemietet. Ungewöhnlich für uns waren die vielen Weißen auf einem Fleck. Trotzdem eine nette Herberge.
Am Freitag morgen sind wir nach einem entspannten Frühstück und der ersten warmen Dusche seit Wochen zu den Viktoria-Fällen aufgebrochen. Ich hatte sie ja bereits 2007 einmal gesehen. Damals war aber Trockenzeit und man hat mir gesagt, dass sie während und nach der Regenzeit noch imposanter seien. Nun das imposante war weniger für die Augen statt für den ganzen Körper. In kürze waren wir von oben bis unten nass bis auf die Knochen. Die Nässe hat aber anscheinend einem chinesischen oder japanischen Familienvater nicht davon abhalten können seine Kinder überall in Video und Bild zu bannen. Es war echt skuril. Leider haben wir von den Fällen nur eine Ahnung bekommen so wenig konnte man sie sehen wegen der ganzen Gischt. Wir haben auch einen Abstecher hinunter in die Schlucht gemacht. Dort unten 110m unter der Victoria-Falls-Bridge, die Zambia mit Zimbabwe verbindet, bekommt man einen Eindruck welche Wucht das Wasser hat. Die Donaustrudel sind ein Planschbecken dagegen! Und zum Schluss sind wir natürlich auch auf die oben genannte Brücke gegangen. Ein netter Plausch mit jungen Zimbabwern direkt auf der „Zim-Zam-Line“, quasi mit einem Fuss in Zimbabwe. Ich versprach mit meinen Eltern wieder zu kommen im Mai! Die armen Zimbabwer. Leiden nach wie vor unter Robert Mugabe. So versuchen sie mittlerweile überall ihre wertlosen Trillionen-Scheine als Souvenier zu verkaufen. Am Abend haben wir uns mit Derek getroffen, den wir ein paar Wochen in Siavonga getroffen hatten. Er hat uns ausgeführt in einen Club, wie er wirklich typisch für Afrika ist. Laute afrikanische Musik, 1-2 Pool-Tische und viele Leute. Ein wenig eklig waren ein paar Chinesen und Weisse, die sich hier Mädels für die Nacht geholt haben. Auch das sieht man überall dort wo vermehrt Touristen auftreten. Es ist schade und man fühlt sich als Weisser irgendwie unwohl. Aber es gehört zum modernen Tourismus wohl leider dazu.
Am Samstag habe ich eigentlich fast nur gefaulenzt und gelesen. Es tat mal richtig gut zur Abwechslung des Trubels von Lusaka. Am Abend sind wir zu einer Lodge gefahren am Zambesi-Ufer und haben dort mit Blick auf die untergehende Sonne über dem Zambesi, zu abend gegessen. Herrlich!!! Afrika hat wirklich unglaublich schöne Plätze. Ich kann es nur jedem empfehlen. Und Zambia ist auch unglaublich angenehm! Kaum aufdringlich Leute. Man sagt nein und meistens ist dann auch gut.
Am Sonntag um 6 Uhr raus. Ab nach Lusaka mit dem Bus um 7:30 Uhr. Eine lange Fahrt. In Choma kam Annie, unsere Nachbarin hier in Lusaka zum Bus und wir haben ein Paar Worte gewechselt. Schön! Zurück in Lusaka hat uns Jason, Medizinstudent und mittlerweile einer meiner besten Freunde hier, mit offenen Armen empfangen. Wir haben erstmal was gegessen (Nshima mit Huhn) hier im Club aufm Campus. Um 20:00 Uhr waren wir in der Notaufnahme und haben unsere Nachtschicht angetreten. Und die hatte es in sich! Ein haufen „Verrückte“, die wir erstmal mit Diazepam ruhig stellen mussten. Recht gefährliche Angelegenheit, denn ich will mich hier nicht mit einer Nadel stechen!! Ein „Patient“ kam schon leblos an. Ein anderer hat sich womöglich vergiftet und war nicht mehr viel zu machen. Zwischendrin sahen wir uns mal um und mussten feststellen, dass wir alleine in der Notaufnahme waren. Damit nicht genug, denn plötzlich fing ein Angehöriger an lauthals zu beten und auf die vermutlich Kranke (Diagnose: Hysterie → ab nach Hause...) einzuschreien. Draußen stimmten die Angehörigen mit ein. Es war so skuril alles, dass wir erst mal etwas sprachlos zusahen. Wir fühlten uns erinnert an die Fahrt am morgen zurück von Livingston: Dort hatte auch ein Mann lauthals angefangen zu beten im Bus, denn seiner Meinung nach war der vor ihm sitzende kein menschliches Lebewesen, sondern wohl eher der Teufel in Person. Das ging so weit, dass er dem nichtsahnenden mit seiner Pranke mächtig was auf den Bauch gab. Dieser nun wie vom Teufel gebissen aus dem Schlaf emporschoss. Das Ende der Geschichte war, dass der „Gute“ nicht mit dem „Bösen“ in einem Boot sitzen konnte und deswegen folgerichtig ausgestiegen ist. Zurück zu Notaufnahme: Um 2:00 Uhr haben wir uns auf den Weg nach Hause gemacht.
So ist Afrika: Auf der einen Seite das viele Leid, HIV und Tod. Im Gegensatz dazu erleben wir täglich die unglaubliche Freude, Freundlichkeit, Schwung und Spaß der Afrikaner.
Heute morgen mussten wir vor der Arbeit erst mal zum Immigration-Office, denn unsere Visa waren am Samstag abgelaufen. Um 10 Uhr waren wir zurück auf den Stationen.
Die 5 Woche hat angefangen. Die Arbeit ist nun gewohnt und geht mir recht gut von der Hand.
Ich hoffe es geht Euch allen gut.
Bis bald
Mittwoch, 18. März 2009
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