Dienstag, 10. März 2009

Das Wochenende ...

6.März 2009

So die nächste Woche ist vorbei.
HIV wütet auch hier in Zambia schrecklich. Wie Schatten ihrer selbst, schlürfen die Patienten über die Stationen. Wenn sie denn überhaupt fähig sind sich von ihrem Bett zu erheben. Die Visite hat heute ziemlich lange gedauert. Aber ich kann schon mehr und mehr alleine machen. Zum Schluss haben wir noch vergeblich versucht einer gänzlich ausgemergelten Frau Liquor zu entnehmen. Mir stellt sich immer wieder die Frage, wie weit man in solchen Fällen in der Diagnostik gehen soll. Ist man als Arzt auch hier verpflichtet, alles mögliche zu tun um den Patienten adäquat zu behandeln? Pauschal kann man das sicherlich nicht sagen, aber manchmal denke ich muss man nun hier bei einem Patienten, der eh bereits extrem schwach ist, Pleurapunktionen oder ähnliches durchführen.
Jule ist inzwischen auf die Männerstation abgewandert. Und hat heute erfolgreich ihre erste Lumbalpunktion durchgeführt.
Dem Krankenhaus fehlt es auch manchmal am Nötigsten. Neulich waren keine Infusionsschläuche mehr verfügbar, Medikamente fehlen ständig, und den Patienten fehlt teilweise das Geld (umgerechnet etwas weniger als 1Euro) um das Labor zu bezahlen, dass ihr Blut auswerten soll.
Naja, wie bereits erwähnt stehen unsere Wochenendpläne noch nicht fest. Livingston verschieben wir immer wieder. Nun soll es nächstes Wochenende endlich dorthin gehen.
Ich habe heute mein Röntgenthorax gemacht. Das ist nötig, um ein Studentenvisa für Zambia zu bekommen. Es ist überbelichtet und ich hoffe es geht so durch.
Unten wird schon seit gestern (Donnerstag) das Wochenende eingeläutet. Die Musik wabert über den Campus.

9.März 2009

Es ist Montag und das Wochenende ist noch nicht vorbei. Das hat folgenden Grund: Gestern, Sonntag, der 8. März 2009, war Weltfrauentag. Eigentlich ein Feiertag. Dummerweise fällt der eben dieses Jahr auf einen Sonntag. Deswegen ist völlig klar das am Montag frei sein muss!!! Weil Feiertag ist Feiertag und nicht an einem Sonntag! Dadurch gerät aber der Weltfrauentag etwas ins wanken, weil keiner genau weiß, wann nun der eigentliche Festtag ist. Andererseits haben die Frauen hier anscheinend nicht allzu viel zu sagen. Sie kochen, waschen für ihren Mann und erziehen die Kinder und gehen oft noch zusätzlich arbeiten.
So nun aber mal Tag für Tag. Wieder einmal mussten wir feststellen, dass man nicht viel planen kann. Bis heute haben wir unser versprochenes Programm nicht durchgeführt. Man gewöhnt sich daran. Freitag waren wir hier unten im Club und haben mit den anderen Absolventen getanzt und gefeiert. Samstag kamen wir nur schwer in Gang. Gegen 10 bin ich ins Krankenhaus und habe mit Anthony eine Runde gemacht, die schier nicht enden wollte. Dann heim und erst mal hinlegen und die Beine hoch legen. Am Nachmittag ist Jule mit Nadja los um zum Chachacha-Backpackers zu gehen und dort irgendwie Freunde zu treffen. Die Ruhe am Samstag hielt nicht lange. Sobald Jule aus dem Haus war, kam Jason um mich abzuholen... die Jungs unten waren gerade am Geld sammeln. Jeder hat was in den Sack geschmissen, um dann am Rand von Lusaka eine Ziege zu kaufen. 1h Stunde später kam einer mit einer großen Tüte zurück. Dann wurde den ganzen Abend gegrillt. Als allererstes lagen die Hoden auf dem Grill. Ich konnte mich erfolgreich darum drücken... Schier unbegreifliche Kräfte lägen im Hoden, die würden dann auf mich übergehen und meine Männlichkeit wäre nicht zu bremsen. Ich werds mir merken.Sonntag habe ich lange im Bett gelegen, spät gefrühstückt. Ich war gerade fertig, da kam Jule aus der Kirche. Kurz drauf ein Anruf von Tindisa und Sina, ob wir nicht mit zu ihnen kommen wollten. So kamen wir etwas raus und sahen ein paar andere Viertel von Lusaka. Ich kam etwas von den Vorzügen der Männer hier zu spüren. Während ich mit Tindisa am Fernsehen waren, haben Jule und Sina gekocht. Und das am Weltfrauentag!!
Am Abend waren wir schon wieder zu Gast bei einem älteren Herren. Er hatte uns eigentlich bereits letzten Sonntag zum Essen eingeladen. Ich hatte es oben mal erwähnt. Nachdem wir letztes Wochenende nur seine Familie kennen gelernt hatten, fand nun dieses Essen wirklich statt. Es gab alles mögliche aus der heimischen Küche. Maisbrei als Grundlage, dazu gekochte Occra, gekochte Kürbisblätter (einmal alleine und einmal zusammen mit Erdnuss), ne Art Hackfleischsoße, Karpenta (in Öl gebratene winzige Fische, grad mal 3-5cm groß), Bohnen, gebratenes Soya, gekochter Maiskolben aus dem Garten und gekochte Erdnüsse (und zwar in der Schale!!). Das alles natürlich ohne Gabel etc... Wirklich ein schöner Tag so wie das ganze Wochenende bisher.
Heute kam irgendwann Jason vorbei und brachte mir Musik aus Zambia. Darunter auch der Hit der hier jeden Tag ca 10 Mal gespielt wird unten. Ich werde versuchen ihn hoch zu laden. Mit ihm saß ich dann hier rum und haben uns unterhalten. Um 13 Uhr hab ich gekocht. Spagetti mit Tomatensoße und wir haben zu dritt gegessen. Nun ist es schon Abend. Ich werde noch etwas lernen.
Gerade geht wieder einer dieser kräftigen Regenschauer herunter. Diese dauern nie lange, aber es gießt in Strömen.
Ein schönes Wochenende war das!! Nächstes Wochenende wollen wir nach Livongston und zu den Victoriafällen.

Bis bald
Euer MO

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