Montag, 16. Februar 2009

Neues vom Mo ...

Lusaka 12. 2. 2009
Gut 12 Stunden nachdem ich in Regensburg gestartet war, kamen wir heute hier in Lusaka an. Im Führer habe ich gelesen, dass das richtige Afrika hier anfängt. Was ist richtig?? Vielleicht wird es sich in dieser Reise herausstellen. Im Grunde hatten wir einen angenehmen Flug. Anders wie bisher kamen wir Stück für Stück dem afrikanischen Kontinent näher. Kein so großer Kontrast wie sonst zwischen Johannesburg und Bulawayo. Zählte in Frankfurt noch die exakte Schwere und Größe des Handgepäcks so war dies bald vergessen. In Addis Abeba umgab uns ein Mix aus Afrika und arabischem Ambiente. Von dort ging es tagsüber mit teilweise wunderschönem Blick nach Süden, vorbei am Kilimandscharo. Im Anflug auf Lilongwe, Malawi, schimmerte überall die charakteristische rote Erdfarbe des afrikanischen Kointinents hervor. Es war üppig grün und die Luft war von der Konsistenz und Temperatur wie in einem Gewächshaus und es duftete herrlich. Weiter ging es nach Lusaka. Unterwegs kamen wir bereits ins Gespräch mit einem Deutschen der Gossner Mission hier in Zambia. Er lud uns spontan zu sich ein was uns ein angenehmeres Ankommen bereitete. Sonst wären wir eben mit dem Taxi in die Stadt gefahren...so konnten wir kurz einen Einblick bekommen, wie Entwicklungshelfer hier teilweise leben und dann wurden wir hierher zur Zambian Medical School Lusaka gefahren, wo wir heute unser Quartier bezogen haben. Ein im Vergleich zu St. Lukes SEHR einfaches Zimmer in einem Studentenwohnheim mit kleiner Kochnische, eigenem Bad und drei Betten... Nachdem wir uns nach den Strapazen etwas erholt hatten, begaben wir uns auf die Suche nach Kwatcha, der hiesigen Währung. Vermutlich funktionieren hier EC-Karten nicht, so dass ich momentan noch nicht genau weiß, wie ich hier an Geld kommen soll. Direkt bei uns im „Garten“ ist eine Bar, die uns 10 Dollar gewechselt haben. So konnten wir wenigstens 2 Bier und was zu essen bekommen. Nschima- die typische Maismehlspeise.

Lusaka 13. 2. 2009
Heute morgen nach einer wunderbar erholsamen Nacht, trotz Moskitonetz und Matratzen die fast bis zum Boden nachgeben, machten wir uns beschwingt auf den Weg nach Downtown Lusaka. Davor noch ein kurzer Abstecher zur nahen Bank hier. Ein letzter Versuch mit meiner EC-Karte Geld zu bekommen. Nichts zu machen. Gottseidank wird Jule ab dem 18. Februar wohl Geld auf ihrem Konto haben. Wir sind zuversichtlich, dass ihre Karte funktionieren wird.Mit dem üblichen mit mindestens 15 Personen überladenen Mini-Bussen rasten wir für ein zehntel des sonstigen Taxipreises durch den dichten Verkehr. Ich versuche mir eine Art TÜV vorzustellen, aber ich komme nicht weit denn nun gibt der Fahrer wirklich Gas. Die Achsen eiern und ich wage nicht an die Bremsen zu denken. Schon sind wir auf einem riesigen Parkplatz angekommen. Hunderte anderer Busse treffen sich hier in einem heillosen durcheinander <>. Viele haben keine Batterie und nun auch noch keinen Platz, ihre Luxusmobile an zu schieben. Wie sie es schaffen bleibt uns verborgen. Wir verlassen das Chaos und lassen uns einen Mobilphone-Shop zeigen. SIM-Cards bekommt man hier innerhalb von 20 Sekunden. Nichts unterschreiben etc... Wir lassen uns von der Masse mittreiben. Kein Vergleich mit dem apathischen Zimbabwe, wo fast alles brach liegt. Hier geht’s ab. Es erinnert mich an Gambia (witzig wie ähnlich der Name ist!!). Jeder Meter des vorhandenen Bürgersteigs ist Verkaufsraum für alles, aber wirklich alles was es gibt. Zeitungen, Telefonguthaben, Obst, Würmer, kleine getrocknete Fische, Eisenwaren, Radios, Kaugummis, … alles umgeben von halb kaputten Straßen und Häusern, Geräuschen und Gerüchen. Es ist die „Altstadt“ Lusakas, im neueren teil stehen gute Hochhäuser, Banken,...eine komplett andere Atmosphäre.Erschlagen von dem Trubel um uns haben wir uns erst mal eine Minute auf eine Bank gesetzt. Dann machten wir uns auf den Weg nach dem central market, einer Markthalle. Der Markt alleine hat schon eine beachtliche Größe. Aber drum herum geht der Markt munter weiter. Ein unvorstellbar großes Durcheinander. Ich fühle mich eigentlich recht wohl, nur der Gedanke, dass wir all unser Geld bei uns hatten, machte mich etwas unruhig (wohlgemerkt, dass wir auch so schnell keines mehr kriegen...). Egal, hier darf man einfach nicht so viel nachdenken gepaart mit ein wenig optimistischem Galgenhumor macht das hier auch wirklich Spaß. Der Markt an sich ist schon ein Erlebnis. Kuh-Hufe liegen neben Fleisch und auf nach links gedrehten Kuh-Mägen. Ab und zu muss man einer Blutlache ausweichen, überall wird „Hello, how are you“ gerufen. Mehrmals müssen wir uns mit einem Seitensprung vor Schubkarren retten die ungebremst durch die Massen gleiten. Der eine oder andere lacht, so wie wir. Aber es ist auch anstrengend. Jeder will was, jeder hat was, was er verkaufen will („Wanna buy a nice skirt, madam???“) und einige gehen uns wirklich auf die Nerven. Nach ner guten Stunde waren wir froh aus dem Chaos heraus zu sein. Auf dem Weg zum Busbahnhof, oder wohl besser Bus-Chaos, wollte jeder noch uns seine Dienste als Taxifahrer anbieten. Aber mit dem Hinweis auf meine guten Schuhe und kräftigen Beine, war das auch bald erledigt. Aber auf dem „Chaosplatz“ war nun die Frage welchen Bus wir nehmen müssen. Nicht wie in Deutschland: Schilder mit Zielangaben, Jeder Bus beschriftet, feste Fahrpläne, etc. Stattdessen ein wildes Gehupe und Geschrei der Eintreiber. Ich fragte jemanden wo ich denn hin müsste zum Krankenhaus. Er deutete zielsicher nach einer Richtung und nach ein paar Metern waren wir dann auch schon in den Bus gesetzt worden und ab gings. Man muss wirklich erwähnen, wie hilfsbereit, kontaktfreudig und freundlich die Menschen hier zumindest bisher, sind. In unserem Zimmer angekommen, musste ich wieder einmal lernen, dass Zeit und Afrika nicht zusammenpassen. Unser kleiner Elektroherd inklusive Geschirr sollte bald kommen. Nach einer Stunde mit leerem Magen, machten wir uns erst mal auf den Weg zu Wendy, diejenige die für uns „Electives“ hier verantwortlich ist. Wir haben sie umgarnt und inzwischen schon ins Herz geschlossen. Alles ist soweit geregelt zumindest bis zum 19. April, also den ersten 2 Monaten. Nun steht ein Wochenende vor uns und wir wissen noch nicht ganz, wie wir uns die Zeit vertreiben sollen. Aber wir 2 Wazungu verstehen uns sehr gut bisher und sind froh hier zu sein bei angenehmen 24 Grad und jeder Menge neuen Eindrücken...

Lusaka, 14. Februar 2009
Auch hier macht der Valentinstag nicht halt. Überall gibt es mehr oder weniger geschmackvolle Geschenke zu kaufen. Meist rosa/roter Kitsch aus Plastik, Herztorten, Plüschbären und anderes. Heute Nacht hat es stark geregnet. Wir haben es heute sehr ruhig angehen lassen, erstmal ausgeschlafen und haben uns versucht an ein Frühstück aus Weißbrot und klebriger Erdnussbutter und türkischem Kaffee verfeinert durch amerikanisches Milchpulver mit Vanille-Geschmack zu gewöhnen. Aber die unglaublich leckeren Avocados als Beilage entschädigen für vieles. Auf dem Weg zum Supermarkt konnten wir uns wieder erfolgreich gegen Taxifahrer wehren und sind gemütlich entlang der ganzen Botschaften (u.a. auch der Deutschen) dorthin geschlendert. Es ist 14 Uhr, draußen geht die Musik in der Disko los, Das Bier fließt aber sicherlich schon seit einigen Stunden. Mir ist es ein Rätsel wie unsere Zimmernachbarin trotz allem auf dem Balkon sitzt und lernen kann. Bevor es ans Bier geht, koch ich nun erstmal was leckeres....Am Nachmittag haben wir dann im Regen das Gelände des Campus und des University Teaching Hospitals etwas erkundet. Es ist viel größer als wir uns das vorgestellt haben und voller Besucher, die das Wochenende nutzen, um ihre Verwandten zu besuchen. Bunte Kleider um uns herum, viele Kinder, an der Hand oder auf den Rücken der Mütter, ein schöner Anblick...eine ganz andere Atmosphäre als in unseren sterilen, oft sehr kalt wirkenden Krankenhäusern.Auf dem Parkplatz vor dem Haupteingang des Krankenhauses, haben ein paar Männer irgendwo einen Ball aufgetrieben und sofort wird angefangen zu spielen. Tore gibt es nicht, eine Mannschaft versucht der anderen den Ball abzunehmen. Die Mannschaften sind bunt zusammengewürfelt. Einige im Anzug und feinem Zwirn, einige barfuß, ohne Rücksicht auf Verluste, es gibt keine Unterschiede, es geht um den gemeinsamen Spaß. Und das alles findet unbeirrt zwischen Autos die kommen und gehen statt.Ich denke nach ein paar Tagen werden wir uns dort auch ein wenig besser auskennen. Nun ist es bald 20 Uhr, die Musik läuft weiter auf voller Lautstärke. Vorhin dachten wir mal sie haben den DJ gewechselt, aber jetzt läuft schon wieder dieselbe Musik wie heute Nachmittag. Es wird hier ziemlich schnell dunkel. Ich habe etwas gedöst und schon ist es dunkel draußen. Als wir uns abends gegen neun unter die Leute mischen, sind die meisten schon gut betrunken und erschöpft vom langen feiern. >>Trinken sie aus Langeweile? Was machen sie sonst? Wir wissen noch nicht viel über die Jugendlichen hier, einige sind auch Medizinstudenten, andere wissen wir nicht so genau, sie machen irgendein „business“. Der Alkohol ist nicht billig, woher kommt das ganze Geld, das hierfür draufgeht? Als der Regen auf das Dach des kleinen Bungalows prasselt und kleine Kröten sich gemütlich ihren Weg durch die neuen Rinnsale suchen, ziehen wir uns zurück aufs zimmer, um noch ein wenig zu lesen. Später werden wir dann von lauten Reggae- Hip-Hop- Rythmen in den Schlaf begleitet.15. Februar 2009Nachdem wir gestern am Rande eines Lagerkollers standen, sind wir heute nach dem Frühstück aufgebrochen in Richtung Süden um der Stadt und unserem Zimmerchen zu entkommen. In Chilanga, 18 km vor Lusakas Toren, gibt es einen botanischen Garten und einen kleinen Zoo. Also ab nach Downtown Lusaka zum „Chaosplatz“ um dort umzusteigen gen Süden. Zwei Sachen muss ich von vorgestern korrigieren: Es gibt doch einige Schilder mit Angaben zu den Fahrzielen und auch die Zahl der Passagiere in einem Minibus ist mit 15 untertrieben. Wir waren heute 20 Personen. Und beim öffnen der Schiebetür fiel dieselbe fast auf die Straße. Aber es bleibt einem nichts anderes übrig als zu vertrauen, dass es gut gehen wird, oder wesentlich mehr Geld auszugeben und auf einem komplett anderen Level zu reisen. Wieder sind wir von freundlichen Menschen umgeben. Überall sind sie hilfsbereit wenn wir nach dem Weg fragen. Ein junger Mann beginnt im Bus neugierig ein Gespräch mit uns und erzählt uns ein bisschen über sein Land und seine friendly and peaceful Landsleute. Dem können wir auch echt nur zustimmen...„Feel free, its a free country“...Sein Willkommensgruß für uns in Zambia. Ja für uns ist es bestimmt möglich, alles zu machen, was wir möchten. Aber ist es auch eine 'free country' für alle Bewohner dieses schönen Fleckchens auf unserer Erde? Noch haben wir nicht viel gesehen, viel gehört, viel geredet. Noch vieles gibt es zu entdecken und zu erfahren...Aber dann genießen wir die Ruhe in dem kleinen Park. Er ist nicht spektakulär aber gemütlich und wir lernen ein bisschen was über traditionelle Heilpflanzen, lesen und betrachten „wilde“ Tiere hinter Gittern...hoffentlich werden wir sie auch noch in freier Wildbahn sehen können.Von schwarzen Regenwolken und knurrenden Mägen machen wir uns nachmittags wieder auf den Heimweg. Vorbei fliegt die durch die Regenzeit so wunderschön grüne Landschaft, doch bald hat uns die Großstadt schon wieder in Besitz genommen. Von der schwülen Luft erschlagen, lassen wir dann den Tag gemütlich ausklingen.

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