Freitag, 27. Februar 2009

Nach unserer ersten Nachtschicht...

26.Februar 2009

Die letzten Tage gingen relativ schnell vorbei. Gestern hatte unsere Unit wieder Dienst. D. h. 24H muss die Aufnahme und der Medical Admission Ward besetzt werden. Die Aufnahme nennt sich hier Filter-Clinic. Hier kommen alle Patienten zu Ersterfassung. Und das nicht nur am Tage, sondern die ganze Nacht hindurch. In der Notaufnahme gibt es die ganze Nacht keine Ruhe. Letzte Nacht waren wir das erste Mal dabei. Es ist unbeschreiblich in welchen Zuständen die Patienten hier ankommen. So hatten wir bis nach Mitternacht gut zu tun. Am frühen Abend blätterte ich in den Unterlagen einer Neuaufnahme. Derweil verstarb der Patient vor meinen Augen. Eine andere Patientin verstirbt kurz nachdem sie kam. Die Klagelaute der Angehörigen hallen durch die Nacht und die Aufnahmesäle. Hier liegen 20-30 Patienten dicht gedrängt. Die Ärzte lassen sich nicht aus der Ruhe bringen und arbeiten unermüdlich weiter. Gegen 12 wird ein bewusstloser Mann gebracht. Er hat sich den Bauch mit Rattengift vollgeschlagen. Mit ihm erscheint ein Polizist das MG geschultert. Der Patient wird verdächtigt, am Tag vorher jemanden ermordet zu haben. Wir sind auch sehr fleißig. Nehmen Blut ab, legen Zugänge, punktieren Pleura und Liquor. Gegen halb 1 sind wir nach Hause gegangen.
Heute 8:30 waren wir wieder auf Station, etwas müde. Nach einer effektiven und damit kurzen Visite, sind wir alle nach Hause gegangen. Die jungen Ärzte müssen hier nach ihrem Abschluss, ähnlich wie früher bei uns die AIPler, 18 Monate durch verschiedene Bereiche rotieren. Leider gehen ende dieser Woche 2 junge Ärzte mit denen wir uns bisher am besten verstanden haben.
Mal sehen wie es weiter geht. Heute sind wir recht müde. Über Mittag waren wir in einem Shopping-Center ein paar Sachen besorgen. Mal sehen was der Tag noch bringt...

Mittwoch, 25. Februar 2009

Hier kommt der Mo ...

23.Februar 2009

Die Freude über eine relativ gute und kostenlose Internetverbindung mit meinem Rechner in der Bibliothek des Krankenhauses war relativ kurz.. Denn danach haben wir vergeblich versucht den Rechner wieder zum laufen zu bringen. Damit hat sich unser Rechner früher als wir infiziert. Vermutlich eine Virusinfektion... Die PC-Freaks der Bibliothek meinten es wäre ein Hardwareproblem, vermutlich ein loses Kabel... Bevor ich ihn aber in die Hände irgendeines vermeintlichen Spezialisten gebe, habe ich ihn erst mal selbst mit meinem Spezial-Multi-Tool-Pocket-Knife zerlegt. Aber ich habe nichts gefunden.
Die Woche ging dann doch relativ schnell vorbei. Das Krankenhaus ist und bleibt riesig. Schwer kranke Patienten in vollen Stationen. So langsam finden wir uns zurecht und kommen in den Arbeitsrhythmus hier rein. Wie schon gesagt, sind wir einem Unit zugeordnet. Morgens Visite auf Station. Diese geht meistens bis um 12 Uhr. Danach ist meist nicht viel mehr zu tun für uns und die anderen Docs. Außer an dem Tag wo das jeweilige Unit Dienst hat. Dort gehts dann von 8 bis 8.
Und zwar nicht auf den Stationen, sondern im sogenannten Medical Admission Ward, der Station auf der die Neuaufnahmen eintreffen. Dort sieht man dann eben alles.
Am Samstag morgen haben wir uns dann auf den Weg nach Siavonga, am Karibastausee gemacht. Es ist ein großes Problem hier, von A nach B zu kommen. Innerhalb der Stadt nimmt man sich ein Taxi oder billiger, aber deutlich beengter eines der tausenden Minibusse, deren Eintreiber laut brüllend ihre Passagiere anwerben. Hier geht es um den maximalen Profit. Je mehr Passagiere, desto mehr Gewinn. Genauso die Autos. Diese werden gefahren bis sie auseinander fallen. Das heißt ein Ersatzteil wird dann getauscht, wenn es kaputt ist. Nun, ich muss zu geben, dass ich kein gutes Gefühl habe mit diesen Bussen zu fahren und schon gar nicht über einen längeren Zeitraum.
Egal es gibt eben hier kein breites öffentliches Verkehrsnetz und schon gar nicht zu diesen entfernt liegenden Städtchen. Wir wollten aber raus aus Lusaka. Hier gibt es nicht viel zu sehen oder zu machen, es ist voller Abgase und Lärm.
Also machten wir uns mit 20 anderen und Unmengen von Gepäck auf den Weg nach Siavonga. Dort angekommen, haben wir uns in der Lake-Safari-Lodge für eine Nacht eingemietet. Das günstigste aller sich hier befindlichen Lodges, dennoch nicht billig. Aber dafür direkt am See gelegen und mit Blick nach Zimbabwe. Hier in Zambia kommt man schnell ins Gespräch. So auch mit Derek aus Kazungula der sich auch den Luxus geleistet hat und in der Hütte neben uns gewohnt hat. Schnell werden hier auch Nummern ausgestauscht und man verabredet sich hier und dort zu treffen. So ist es in Zambia. Für uns ist es schön, so langsam hier und dort Anlaufstellen zu haben. Ein wunderschöner Sonnenuntergang auf der Terrasse der Lodge und ein noch besseres Essen vom Grill (Fisch, Huhn, Spieße, Schweinesteak) machen den Tag perfekt. Leider ist es dort sehr heiß und schwül, so dass wir beide recht schlecht geschlafen haben. In der früh, haben wir uns den Kariba-Staudamm angesehen. Zu Fuß und mit Gepäck war es eine Schweißtreibende Angelegenheit. Dann war es auch schon wieder Zeit die Heimfahrt zu planen. Ein Chaos wie es im Buche steht. Bis wir uns endlich voll gepackt wie nun schon fast gewohnt auf den Weg gemacht haben, verging sicherlich eine Stunde. Noch eben schnell zu der einen Hütte, um noch dies und jenes samt Besitzer einzuladen.... Nach 30 km fand unsere Fahrt ein jähes Ende, als bei deutlich über 100km/h ein Reifen sich halb verabschiedete. Gott sei Dank bekam der Fahrer den Wagen unter Kontrolle, sonst wäre uns sicher einiges an Fisch, Kinder und anderem um die Ohren geflogen. Zum Glück hat sich nur die oberste Schicht des Reifens gelöst. Mehr wollen wir uns gar nicht ausmahlen. Mir sind noch gut die Bilder aus Zimbabwe im Kopf, wenn wir zu solchen Unfällen ausgerückt sind.
Ich hatte auf jeden Fall die Schnauze voll und habe das nächste Auto angehalten und sind mit diesem weiter gefahren nach Lusaka.
Zu Hause angekommen, bin ich daran gegangen den Rechner instand zu setzen. Zusammen mit vielen anderen habe ich am Abend das Eröffnungsspiel des Afrika-Cups angesehen. Zambia hat souverän 3:0 gegen die Elfenbeinküste gewonnen.
Heute, Montag, ging es natürlich wieder in die Klinik. Um 2 haben wir uns aufgemacht zum Immigration-Office um unsere Visa zu verlängern. Die Frage ist ja auch immer noch ob ich wirklich 4 Monate bleiben kann. Anscheinend ist es möglich... Auf dem Weg hat mir ein älterer Herr noch versucht mir den Geldbeutel aus der Hose zu ziehen. Wie es im Buche steht. Erst rempelt er mich an ich drehe mich um und sage sorry er gibt mir die Hand und sagt ah no Problem. Dann will er mir etwas sagen beugt sich dabei runter und tritt völlig unbeholfen auf meinen Fuß. Als ich es geblickt habe hat er bereits den Reißverschluss meiner Hosentasche halb geöffnet. Kein schönes Gefühl! Ich bin gewarnt! So ist es also nun hier soweit. Nicht immer einfach, manchmal anstrengend, manchmal fragt man sich, warum man hier ist. Auf der anderen Seite, sind die meisten Menschen hier sehr freundlich, höflich und vor allem hilfsbereit.

Bis Bald
Meine Nummer hier ist: +260976545746 falls jemand das Bedürfnis hat mir zu schreiben. Leider kommen anscheinend keine unserer SMS nach Deutschland durch.
Ach ja: Ulla, Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!!! Schade dass ich nicht mit Dir feiern kann.

Donnerstag, 19. Februar 2009

News aus Lusaka

15. Februar 2009

Nachdem wir gestern am Rande eines Lagerkollers standen, sind wir heute nach dem Frühstück aufgebrochen in Richtung Süden um der Stadt und unserem Zimmerchen zu entkommen. In Chilanga, 18 km vor Lusakas Toren, gibt es einen botanischen Garten und einen kleinen Zoo. Also ab nach Downtown Lusaka zum „Chaosplatz“ um dort umzusteigen gen Süden. Zwei Sachen muss ich von vorgestern korrigieren: Es gibt doch einige Schilder mit Angaben zu den Fahrzielen und auch die Zahl der Passagiere in einem Minibus ist mit 15 untertrieben. Wir waren heute 20 Personen. Und beim öffnen der Schiebetür fiel dieselbe fast auf die Straße. Aber es bleibt einem nichts anderes übrig als zu vertrauen, dass es gut gehen wird, oder wesentlich mehr Geld auszugeben und auf einem komplett anderen Level zu reisen.

Wieder sind wir von freundlichen Menschen umgeben. Überall sind sie hilfsbereit wenn wir nach dem Weg fragen.

Ein junger Mann beginnt im Bus neugierig ein Gespräch mit uns und erzählt uns ein bisschen über sein Land und seine friendly and peaceful Landsleute. Dem können wir auch echt nur zustimmen...

„Feel free, its a free country“...Sein Willkommensgruß für uns in Zambia. Ja für uns ist es bestimmt möglich, alles zu machen, was wir möchten. Aber ist es auch eine 'free country' für alle Bewohner dieses .

schönen Fleckchens auf unserer Erde? Noch haben wir nicht viel gesehen, viel gehört, viel geredet. Noch vieles gibt es zu entdecken und zu erfahren...

Aber dann genießen wir die Ruhe in dem kleinen Park. Er ist nicht spektakulär aber gemütlich und wir lernen ein bisschen was über traditionelle Heilpflanzen, lesen und betrachten „wilde“ Tiere hinter Gittern...hoffentlich werden wir sie auch noch in freier Wildbahn sehen können.

Von schwarzen Regenwolken und knurrenden Mägen machen wir uns nachmittags wieder auf den Heimweg. Vorbei fliegt die durch die Regenzeit so wunderschön grüne Landschaft, doch bald hat uns die Großstadt schon wieder in Besitz genommen. Von der schwülen Luft erschlagen, lassen wir dann den Tag gemütlich ausklingen

16. Februar 2009

Was für ein Tag geht zu ende...

Wir kommen gerade zurück von einem ungeplanten und primär kurzem Ausflug...

Es ging darum Tindasi s Frau nach Hause zu fahren und dann wieder zurück zu kommen hier zum Campus. Maybe we take one or two drinks... Daraus wurden sicherlich 5 aber dazu später.

Zunächst war heute unser erster Arbeitstag in der Klinik. Und dieser fing natürlich nicht pünktlich an sondern, because there's no time in Afrika erst einige Zeit später. Natürlich waren wir (deutsche Pünktlichkeit!!) um 8 im Büro um uns die Station zeigen zu lassen. Aber von Wendy keine Spur...

Whatever... Irgendwann kam auch sie. Und dann gings auch gleich weiter... Es klappt alles, hier nur eben im african way... Dr. Kabongo nahm uns mit in sein Reich... zwischendurch klingelte das Telefon. Nicht nur einmal.. Ja, es waren viele Fragen, die er uns gestellt hat. Er war sehr nett und für uns war es auch neu hier alles auf englisch und in einem völlig neuen Kontext.


Egal der Abend war nicht zu übertreffen. Die Zambianer trinken jeden deutschen unter den Tisch. Das sei mal gesagt. Und wir haben kein einziges Bier bezahlt. Es kam und kam immer neues Bier auf den Tisch. Wir kamen gar nicht hinterher nein zu sagen. Just one more ende we will go... Der Slogan des Abends.

18. Feb 2009

So nun haben wir den 3. Tag im Krankenhaus absolviert. Bisher war es noch ein ganz schönes Chaos für uns. Wir wussten nicht wozu wir gehören, wie das Prozedere ist und an wen wir uns genau heften müssen bzw sollen. Kein Vergleich mit St. Lukes, wo alles sehr viel überschaubarer und familiärer ist. Das vermisse zumindest ich hier noch ein wenig. So ist noch nicht alles super etc sondern wir müssen uns hier noch ein wenig durchbeißen und zurechtfinden. Auch ist es schade, dass keine Studenten auf den Stationen sind. Sie haben alle ihre Prüfungen am Ende ihres Semesters und gehen dann in den Urlaub nach Hause. Es gibt sonst nicht viel zu tun hier. Ein wenig lernen und einkaufen.

Auf Station, habe ich heute meine erste Pleurapunktion gemacht. Nicht so erfolgreich, aber Dr. Zyomba hat es auch erst beim 4. Versuch geklappt... Um 14:30 Uhr kam dann einer der Chefs und hat eine sehr (!!!) ausführliche Visite gemacht. Es war aber auch sehr interessant. Es wurde aber ebenso viele Fragen gestellt, auch an uns. Wir haben uns ganz Tapfer geschlagen...

19. Feb 2009

Heute war unser „Dienst“ recht kurz. Ich habe meine erste Lumbalpunktion hier erfolgreich über die Bühne gebracht. Keine Lignokain, dafür Diazepam. Wir durften aber eine nicht ganz so erfolgreiche, aber martialische Perikardpunktion ohne Ultraschall-Kontrolle bewundern. Da unsere „Unit“ (=Team) heute Nacht Dienst hatte, waren wir nach einer kurzen Visite auf der Station um 11 Uhr für heute fertig. Wir haben dann uns entschieden in ein großes Einkaufszentrum zu fahren um einmal einiges was uns hier noch fehlt zu besorgen und einen weiteren Anlauf zu machen mit meiner Visa-Karte Geld zu bekommen. Leider Erfolglos...


Montag, 16. Februar 2009

Neues vom Mo ...

Lusaka 12. 2. 2009
Gut 12 Stunden nachdem ich in Regensburg gestartet war, kamen wir heute hier in Lusaka an. Im Führer habe ich gelesen, dass das richtige Afrika hier anfängt. Was ist richtig?? Vielleicht wird es sich in dieser Reise herausstellen. Im Grunde hatten wir einen angenehmen Flug. Anders wie bisher kamen wir Stück für Stück dem afrikanischen Kontinent näher. Kein so großer Kontrast wie sonst zwischen Johannesburg und Bulawayo. Zählte in Frankfurt noch die exakte Schwere und Größe des Handgepäcks so war dies bald vergessen. In Addis Abeba umgab uns ein Mix aus Afrika und arabischem Ambiente. Von dort ging es tagsüber mit teilweise wunderschönem Blick nach Süden, vorbei am Kilimandscharo. Im Anflug auf Lilongwe, Malawi, schimmerte überall die charakteristische rote Erdfarbe des afrikanischen Kointinents hervor. Es war üppig grün und die Luft war von der Konsistenz und Temperatur wie in einem Gewächshaus und es duftete herrlich. Weiter ging es nach Lusaka. Unterwegs kamen wir bereits ins Gespräch mit einem Deutschen der Gossner Mission hier in Zambia. Er lud uns spontan zu sich ein was uns ein angenehmeres Ankommen bereitete. Sonst wären wir eben mit dem Taxi in die Stadt gefahren...so konnten wir kurz einen Einblick bekommen, wie Entwicklungshelfer hier teilweise leben und dann wurden wir hierher zur Zambian Medical School Lusaka gefahren, wo wir heute unser Quartier bezogen haben. Ein im Vergleich zu St. Lukes SEHR einfaches Zimmer in einem Studentenwohnheim mit kleiner Kochnische, eigenem Bad und drei Betten... Nachdem wir uns nach den Strapazen etwas erholt hatten, begaben wir uns auf die Suche nach Kwatcha, der hiesigen Währung. Vermutlich funktionieren hier EC-Karten nicht, so dass ich momentan noch nicht genau weiß, wie ich hier an Geld kommen soll. Direkt bei uns im „Garten“ ist eine Bar, die uns 10 Dollar gewechselt haben. So konnten wir wenigstens 2 Bier und was zu essen bekommen. Nschima- die typische Maismehlspeise.

Lusaka 13. 2. 2009
Heute morgen nach einer wunderbar erholsamen Nacht, trotz Moskitonetz und Matratzen die fast bis zum Boden nachgeben, machten wir uns beschwingt auf den Weg nach Downtown Lusaka. Davor noch ein kurzer Abstecher zur nahen Bank hier. Ein letzter Versuch mit meiner EC-Karte Geld zu bekommen. Nichts zu machen. Gottseidank wird Jule ab dem 18. Februar wohl Geld auf ihrem Konto haben. Wir sind zuversichtlich, dass ihre Karte funktionieren wird.Mit dem üblichen mit mindestens 15 Personen überladenen Mini-Bussen rasten wir für ein zehntel des sonstigen Taxipreises durch den dichten Verkehr. Ich versuche mir eine Art TÜV vorzustellen, aber ich komme nicht weit denn nun gibt der Fahrer wirklich Gas. Die Achsen eiern und ich wage nicht an die Bremsen zu denken. Schon sind wir auf einem riesigen Parkplatz angekommen. Hunderte anderer Busse treffen sich hier in einem heillosen durcheinander <>. Viele haben keine Batterie und nun auch noch keinen Platz, ihre Luxusmobile an zu schieben. Wie sie es schaffen bleibt uns verborgen. Wir verlassen das Chaos und lassen uns einen Mobilphone-Shop zeigen. SIM-Cards bekommt man hier innerhalb von 20 Sekunden. Nichts unterschreiben etc... Wir lassen uns von der Masse mittreiben. Kein Vergleich mit dem apathischen Zimbabwe, wo fast alles brach liegt. Hier geht’s ab. Es erinnert mich an Gambia (witzig wie ähnlich der Name ist!!). Jeder Meter des vorhandenen Bürgersteigs ist Verkaufsraum für alles, aber wirklich alles was es gibt. Zeitungen, Telefonguthaben, Obst, Würmer, kleine getrocknete Fische, Eisenwaren, Radios, Kaugummis, … alles umgeben von halb kaputten Straßen und Häusern, Geräuschen und Gerüchen. Es ist die „Altstadt“ Lusakas, im neueren teil stehen gute Hochhäuser, Banken,...eine komplett andere Atmosphäre.Erschlagen von dem Trubel um uns haben wir uns erst mal eine Minute auf eine Bank gesetzt. Dann machten wir uns auf den Weg nach dem central market, einer Markthalle. Der Markt alleine hat schon eine beachtliche Größe. Aber drum herum geht der Markt munter weiter. Ein unvorstellbar großes Durcheinander. Ich fühle mich eigentlich recht wohl, nur der Gedanke, dass wir all unser Geld bei uns hatten, machte mich etwas unruhig (wohlgemerkt, dass wir auch so schnell keines mehr kriegen...). Egal, hier darf man einfach nicht so viel nachdenken gepaart mit ein wenig optimistischem Galgenhumor macht das hier auch wirklich Spaß. Der Markt an sich ist schon ein Erlebnis. Kuh-Hufe liegen neben Fleisch und auf nach links gedrehten Kuh-Mägen. Ab und zu muss man einer Blutlache ausweichen, überall wird „Hello, how are you“ gerufen. Mehrmals müssen wir uns mit einem Seitensprung vor Schubkarren retten die ungebremst durch die Massen gleiten. Der eine oder andere lacht, so wie wir. Aber es ist auch anstrengend. Jeder will was, jeder hat was, was er verkaufen will („Wanna buy a nice skirt, madam???“) und einige gehen uns wirklich auf die Nerven. Nach ner guten Stunde waren wir froh aus dem Chaos heraus zu sein. Auf dem Weg zum Busbahnhof, oder wohl besser Bus-Chaos, wollte jeder noch uns seine Dienste als Taxifahrer anbieten. Aber mit dem Hinweis auf meine guten Schuhe und kräftigen Beine, war das auch bald erledigt. Aber auf dem „Chaosplatz“ war nun die Frage welchen Bus wir nehmen müssen. Nicht wie in Deutschland: Schilder mit Zielangaben, Jeder Bus beschriftet, feste Fahrpläne, etc. Stattdessen ein wildes Gehupe und Geschrei der Eintreiber. Ich fragte jemanden wo ich denn hin müsste zum Krankenhaus. Er deutete zielsicher nach einer Richtung und nach ein paar Metern waren wir dann auch schon in den Bus gesetzt worden und ab gings. Man muss wirklich erwähnen, wie hilfsbereit, kontaktfreudig und freundlich die Menschen hier zumindest bisher, sind. In unserem Zimmer angekommen, musste ich wieder einmal lernen, dass Zeit und Afrika nicht zusammenpassen. Unser kleiner Elektroherd inklusive Geschirr sollte bald kommen. Nach einer Stunde mit leerem Magen, machten wir uns erst mal auf den Weg zu Wendy, diejenige die für uns „Electives“ hier verantwortlich ist. Wir haben sie umgarnt und inzwischen schon ins Herz geschlossen. Alles ist soweit geregelt zumindest bis zum 19. April, also den ersten 2 Monaten. Nun steht ein Wochenende vor uns und wir wissen noch nicht ganz, wie wir uns die Zeit vertreiben sollen. Aber wir 2 Wazungu verstehen uns sehr gut bisher und sind froh hier zu sein bei angenehmen 24 Grad und jeder Menge neuen Eindrücken...

Lusaka, 14. Februar 2009
Auch hier macht der Valentinstag nicht halt. Überall gibt es mehr oder weniger geschmackvolle Geschenke zu kaufen. Meist rosa/roter Kitsch aus Plastik, Herztorten, Plüschbären und anderes. Heute Nacht hat es stark geregnet. Wir haben es heute sehr ruhig angehen lassen, erstmal ausgeschlafen und haben uns versucht an ein Frühstück aus Weißbrot und klebriger Erdnussbutter und türkischem Kaffee verfeinert durch amerikanisches Milchpulver mit Vanille-Geschmack zu gewöhnen. Aber die unglaublich leckeren Avocados als Beilage entschädigen für vieles. Auf dem Weg zum Supermarkt konnten wir uns wieder erfolgreich gegen Taxifahrer wehren und sind gemütlich entlang der ganzen Botschaften (u.a. auch der Deutschen) dorthin geschlendert. Es ist 14 Uhr, draußen geht die Musik in der Disko los, Das Bier fließt aber sicherlich schon seit einigen Stunden. Mir ist es ein Rätsel wie unsere Zimmernachbarin trotz allem auf dem Balkon sitzt und lernen kann. Bevor es ans Bier geht, koch ich nun erstmal was leckeres....Am Nachmittag haben wir dann im Regen das Gelände des Campus und des University Teaching Hospitals etwas erkundet. Es ist viel größer als wir uns das vorgestellt haben und voller Besucher, die das Wochenende nutzen, um ihre Verwandten zu besuchen. Bunte Kleider um uns herum, viele Kinder, an der Hand oder auf den Rücken der Mütter, ein schöner Anblick...eine ganz andere Atmosphäre als in unseren sterilen, oft sehr kalt wirkenden Krankenhäusern.Auf dem Parkplatz vor dem Haupteingang des Krankenhauses, haben ein paar Männer irgendwo einen Ball aufgetrieben und sofort wird angefangen zu spielen. Tore gibt es nicht, eine Mannschaft versucht der anderen den Ball abzunehmen. Die Mannschaften sind bunt zusammengewürfelt. Einige im Anzug und feinem Zwirn, einige barfuß, ohne Rücksicht auf Verluste, es gibt keine Unterschiede, es geht um den gemeinsamen Spaß. Und das alles findet unbeirrt zwischen Autos die kommen und gehen statt.Ich denke nach ein paar Tagen werden wir uns dort auch ein wenig besser auskennen. Nun ist es bald 20 Uhr, die Musik läuft weiter auf voller Lautstärke. Vorhin dachten wir mal sie haben den DJ gewechselt, aber jetzt läuft schon wieder dieselbe Musik wie heute Nachmittag. Es wird hier ziemlich schnell dunkel. Ich habe etwas gedöst und schon ist es dunkel draußen. Als wir uns abends gegen neun unter die Leute mischen, sind die meisten schon gut betrunken und erschöpft vom langen feiern. >>Trinken sie aus Langeweile? Was machen sie sonst? Wir wissen noch nicht viel über die Jugendlichen hier, einige sind auch Medizinstudenten, andere wissen wir nicht so genau, sie machen irgendein „business“. Der Alkohol ist nicht billig, woher kommt das ganze Geld, das hierfür draufgeht? Als der Regen auf das Dach des kleinen Bungalows prasselt und kleine Kröten sich gemütlich ihren Weg durch die neuen Rinnsale suchen, ziehen wir uns zurück aufs zimmer, um noch ein wenig zu lesen. Später werden wir dann von lauten Reggae- Hip-Hop- Rythmen in den Schlaf begleitet.15. Februar 2009Nachdem wir gestern am Rande eines Lagerkollers standen, sind wir heute nach dem Frühstück aufgebrochen in Richtung Süden um der Stadt und unserem Zimmerchen zu entkommen. In Chilanga, 18 km vor Lusakas Toren, gibt es einen botanischen Garten und einen kleinen Zoo. Also ab nach Downtown Lusaka zum „Chaosplatz“ um dort umzusteigen gen Süden. Zwei Sachen muss ich von vorgestern korrigieren: Es gibt doch einige Schilder mit Angaben zu den Fahrzielen und auch die Zahl der Passagiere in einem Minibus ist mit 15 untertrieben. Wir waren heute 20 Personen. Und beim öffnen der Schiebetür fiel dieselbe fast auf die Straße. Aber es bleibt einem nichts anderes übrig als zu vertrauen, dass es gut gehen wird, oder wesentlich mehr Geld auszugeben und auf einem komplett anderen Level zu reisen. Wieder sind wir von freundlichen Menschen umgeben. Überall sind sie hilfsbereit wenn wir nach dem Weg fragen. Ein junger Mann beginnt im Bus neugierig ein Gespräch mit uns und erzählt uns ein bisschen über sein Land und seine friendly and peaceful Landsleute. Dem können wir auch echt nur zustimmen...„Feel free, its a free country“...Sein Willkommensgruß für uns in Zambia. Ja für uns ist es bestimmt möglich, alles zu machen, was wir möchten. Aber ist es auch eine 'free country' für alle Bewohner dieses schönen Fleckchens auf unserer Erde? Noch haben wir nicht viel gesehen, viel gehört, viel geredet. Noch vieles gibt es zu entdecken und zu erfahren...Aber dann genießen wir die Ruhe in dem kleinen Park. Er ist nicht spektakulär aber gemütlich und wir lernen ein bisschen was über traditionelle Heilpflanzen, lesen und betrachten „wilde“ Tiere hinter Gittern...hoffentlich werden wir sie auch noch in freier Wildbahn sehen können.Von schwarzen Regenwolken und knurrenden Mägen machen wir uns nachmittags wieder auf den Heimweg. Vorbei fliegt die durch die Regenzeit so wunderschön grüne Landschaft, doch bald hat uns die Großstadt schon wieder in Besitz genommen. Von der schwülen Luft erschlagen, lassen wir dann den Tag gemütlich ausklingen.

Mittwoch, 11. Februar 2009

Abfahrt...

So, da es nun wirklich unangenehm wird hier, mit Schneesturm und anderes Naß-Kaltes, habe ich mich nun entschlossen heut abzufahren.
Das Studium in seiner From ist nun vorbei. Keine Kalusuren mehr, keine Seminare. Kaum zu glauben, dass es schon 5 Jahre her ist, dass man begonnen hat all die Knochen und Muskeln samt Gefäßen zu lernen.
Nun geht es aber weiter. 4 Monate Zambia, endlich wiederin Afrika...
Euch hier in Deutschland sage ich: Der Frühling kommt bestimmt irgendwann...
Bis bald

MO

Freitag, 6. Februar 2009

Geschafft....

Alles Übel hat irgendwann sein Ende...
Nach einer schönen Feier gestern Abend mit unserem Semester, hatten wir heute unser letztes Seminar im Studium. Nachdem ich erst um 5 ins Bett bin, bin ich etwas später eingetrofen...
Ein kleiner "Nachzügler" (Radiologie u Strahlenmedizin-Klausur)noch am Montag, dann gehts los................

Dienstag, 3. Februar 2009

Stück für Stück...

So,
die erste Hürde ist genommen...
Nun nur noch durchhalten bis Do!!
Aber das bischen Pharma....
Na dann: Auf in dieSchlacht!!

Grüße MO