27.April 2009
Nun ist außer mir auch der Strom zurück in Zimbabwe....
Aber erst mal eins nach dem anderen.
Es ist Montag und ich bin seit 3 Tagen zurück in Zimbabwe. Donnerstag habe ich noch die halbe Nacht gearbeitet. Jason hat mich dann richtig wütend gemacht, weil er uns unser Geld was wir ihm geliehen haben nicht zurück gegeben hat und darüber hinaus sich noch äußerst blöd verhalten hat. Ich war frustriert, dachte ich doch ich könnte ihm trauen.
Naja, nach einer kurzen Nacht war ich pünktlich um 7:30 Uhr am Busbahnhof und habe mir die Beine in den Bauch gestanden bis sich dann endlich der Bus, mit beinahe 1 Stunde Verspätung, gegen 10 Uhr auf den Weg gen Süden gemacht hat.
Nach einem Höllenritt über die Hügel hinunter ins Zambesi-Tal waren wir relativ zügig in Chirundu, der Grenze zu Zimbabwe. Der Grenzübertritt war relativ einfach. Keinerlei Probleme mit dem Visum und Zoll. Und nun war ich endlich wieder in Zim.
Nach einer schier endlosen Fahrt (10 Stunden) kam ich endlich in Harare, der Hauptstadt an. Es war schon dunkel. Ich hatte gehofft, dass Chauke und Dzidzai schon warten. Ich hatte etwas Sorgen über meine Sicherheit im generellen in Zimbabwe und auch im speziellen am Busbahnhof in Harare. Aber ich hatte wohl vergessen dass ich in Afrika bin. Natürlich waren sie nicht dort... Egal ich dachte am besten ich unterhalten mich mal ausgiebigst mit den Taxifahrern die wie Geier um mich herumwuselten. Naja, nach 15 min kamen sie angerannt und wir vielen uns in die Arme. Alle Enttäuschung von gestern Abend waren verflogen. Ich war in Harare.
Was für eine Stadt. Kein Vergleich mit Lusaka, ein Dorf dagegen!! Schon bei Nacht hatte ich den Eindruck. Aber dennoch gab es keinen Strom und infolge dessen auch kein Wasser. Ich war aber herzlichstuntergebracht mit allen anderen bei einer Tante von Dzidzai. Sogar in einem eigenen Zimmer. Spät ins Bett und früh wieder raus, denn es mussten noch einige Einkäufe erledigt werden. Eigentlich sollte alles um 8:00 Uhr losgehen... aber allein unsere Einkäufe zogen sich bis weit nach 9 hin.
Dann zog der Konvoi los in Richtung Hochzeit. Dort angekommen wurde wieder gewartet bis alles bereitet war. Dann zogen das Brautpaar samt Trauzeugen und Brautjungfern ein. Ein rauschendes Fest! Mit DJ, Master of Ceremony, Hochzeitstorte, Tanz und Essen, aber ohne Alkohol und um 16:30 Uhr war alles vorbei. Zurück zu Hause, immer noch kein Strom. Heute wurde aber wenigstens auf Kohle im Wohnzimmer gekocht! Ich fühle mich hier wohl, sogar wohler als in Zambia. Ich werde hier aufgenommen in deren Haus, ohne wenn und aber.
Ich dachte eigentlich ich könnte am nächsten Tag ausschlafen, aber denkste... 5:40 Uhr hat Chauke mich geweckt. Auf zum Haus der Eltern des Bräutigams. Es sind uralte Rituale. Die Braut wird nach langen Reden im Hause der Eltern des Bräutigams willkommen geheissen. Sie bringt ein Huhn und Maismehl mit. Dann muss sie mit Hilfe ihrer Freundinnen, ein Essen für die Familie zaubern.
Als alles vorbei war, wurden Chauke und ich in die Stadt gebracht und dort abgesetzt, damit wir einen Minibus zum Haus ihres Cousins nehmen konnten. Diese Busse... Ein Wunder, dass sie überhaupt noch fahren... Aber darüber habe ich ja bereits oft berichtet. Wieder wurde ich sehr herzlich im Hause aufgenommen, hatte mein eigenes Zimmer etc. Als Mann hat mans hier wirklich sehr gut!! Man bekommt sein Essen aufgetischt, egal zu welcher Uhrzeit, morgens wird einem das Badewasser angerichtet, kochend heiß und egal ob Strom da ist oder nicht. Ich bin mit Don, Chaukes Cousin gegen abend losgezogen in eine Bar. Ich war perplex. Ein komplett anderes Zimbabwe als ich es bisher kannte. Es wurde getrunken, eine Liveband hat drinnen gespielt. Draußen wurde auf Wunsch Essen auf einem Grill zubereitet. Für mich alles unfassbar.
Am nächsten Morgen habe ich erst mal ausgeschlafen. Kurz nach Mittag sind wir Richtung Stadt aufgebrochen. Zunächst zu einer Shopping-Mall. Keine Spur von der katastrophalen Lage einige Monate zuvor. Reges Treiben. Weiter in Richtung Stadt, vorbei am Paryienyatwa Hospital. Das größte KH in Zimbabwe und Top-Referal-Hospital. Vor einigen Wochen noch geschlossen. Dann sind wir durch Harare geschlendert. Zunächst durch einen großen Park, dann vorbei an riesigen Hotels, vorbei am Hauptquartier des MDC, der Wiege der Demokratie in Zimbabwe!?! Eine bunte lebendige Stadt, die gerade anfängt wieder auf zu blühen. Aber man bekommt immer wieder auch zu spüren, das es noch massive Probleme im Land gibt.
Dienstag waren wir um 7:30 Uhr an der Straße in Richtung Bulawayo, um ein Bus, Sammeltaxi oder Mitfahrgelegenheit zu bekommen. Das ging alles sehr schnell und im nu fand ich mich mit 12 anderen in einem Auto wieder auf dem Weg. 5-6 Stunden und einige Polizeikontrollen später war ich froh heil in Bulawayo aus dem Auto zu steigen. Die ersten bekannten Gesichter trifft man bereits hier! Nach ein paar Stunden haben wir uns an die Straße nach Vic Falls gestellt. Diesmal fiel unser Reisefahrzeug etwas größer aus. Ein uralter riesiger Truck in dem wir in der Fahrerkabine noch etwas Platz fanden. Die 140km bis St. Lukes dauerten ewig. Die 10 min zu fuß waren dagegen eine Wohltat, trotz Gepäck.
Und da war ich wieder in St. Lukes. Viele vertraute Gesichter, viele schlossen mich in ihre Arme. Es war richtig schön. Die Lage hier aufdemland ist aber alles andere als rosig. Und Dr. Schales sieht die Lage sehr skeptisch. Immer noch ist Mugabe an der Macht. Es kommen zwar mehr Hilfsgüter und Gelder ins Land, aber aus Zimbabwe und von den Zimbabwern selbst kommt noch relativ wenig. Doch er macht weiter. St. Lukes wächst weiterhin, dank der vielen Spenden aus Deutschland.
Gestern war ich mit ihm in Bulawayo um ein großes Kontingent an Medikamnenten entgegen zu nehmen. Alles von Unicef. Aber es sind zum Teil dringend benötigte Medikamente und Materialien. Abends saßen wir wieder mit der Patres aus Bulawayo zusammen und alte Geschichten machten wieder die Runde. Dazu gab es eine Flasche Rotwein und Schweizer Käse. Alles liebevolle und einfache Menschen.
7.Mai 2009
Meien Zeit hier in St. Lukes geht dem Ende entgegen. Viele Eindrücke nehme ich wiede rmit nach Hause. Gute, schöne aber auch traurige. Sbusiso, der Sohn von Nadzau, kam mir am ersten Tag strahlend entgegen. Dabei ist er erst 3,5 Jahre alt. Memory Sibindi ist inzwischen hier im YDC untergebracht und absolviert hier einen PC-Kurs. Am Samstag war ein kleines Sportfest hier in St. Lukes. Natürlich hat unsere Manschaft gewonnen. Am Sonntag sind Chauke und ich nach Gwaai gefahren, ca 100 km in Richtung Vic-Falls, um Esther Munenge wieder zu sehen. Der ein oder andere wird sich evtl noch an den LKW-Unfall von meinem letzten Aufenthalt hier erinnern. Sie war, damals 17 Jahre alt, von einem LKW erfasst worden. Heute läuft und lacht sie. Es war wunderschöner Tag. Daneben aber auch schlimmer Fälle im Krankenhaus. Eine junge Frau kam aus dem Bush, nachdem sie Probleme bei der Geburt hatte. 3 Tage war das Kind im Geburtskanal eingeklemmt. Durch den Druck ist das umliegende Weichteilgewebe nekrotisch geworden, sie kann nicht mehr laufen, da der Ischiasnerv auch betroffen ist, sie hat multiple Fisteln, eine demolierte Blase und das Kind konnte natürlich nur Tod geborgen werden. Darüber hinaus wurde sie vergewaltigt, ist nun 17 Jahre alt, HIV positiv, aber strahlt singt und lacht bei der Visite. Wahrscheinlich begreift sie gar nicht das Ausmaß ihrer nun lebenslangen Probleme. Solche und viele unglaubliche Fälle kommen hier täglich ins Krankenhaus und lässt erahnen wie weit das Land von einer Stabilisierung entfernt ist. Auch hier im Krankenhaus selbst. Die ersten Tage kein Strom, dann 4 Tage kein Wasser, gestern abend haben wir alle dann eine Dusche genossen, über Nacht war aber wieder der Strom fort und somit heute auch wieder das Wasser. Es wird nie langweilig. Und man ist gut beraten, immer einen Eimer Wasser im Bad stehen zu haben, alleine schon fürs Klo!!
Keine Sorge, ich habe in den letzten Jahren gelernt mit all den Sachen umzugehen und genieße meinen kurzen Besuch hier. Morgen mache ich mich auf den Weg nach Livingston.